Grußwort von Bundespräsident Gustav Heinemann

Die Olympia-Fanfare (als MP3)

Für Faktenhuber und Zahlenfetischisten: Namen - Zahlen - Fakten
 Viele weiter führende Informationen kann man h i e r  finden
Reizvoll: Das Coca-Cola Olympiaquiz (mit Lösungen...)

                            Meine Erinnerungen...
                                                       ...  das Presse-Echo 36 Jahre danach...
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                                                                     ...  40 Jahre danach   >>>mehr












 

"Die heiteren Spiele" sollten es werden - so wünschte es sich Willi Daume, damals Präsident
des NOK  und des  Organisationskomitees  für die Olympischen Sommerspiele  1972 in Mün-
chen. Heitere Spiele,  die der Welt  ein neues Deutschland zeigen sollten, ein unbeschwertes,
fröhliches Land, weltoffen und gastfreundlich. Popklänge von der Kurt - Edelhagen -Band statt
Marschmusik, bunte Kleidung statt grauer (oder gar brauner) Uniformen, geplantes Durchein
-
ander statt sturer deutscher Disziplin  - ohne die für ein solches  Ereignis notwendigen  "deut
-
schen Tugenden" wie  Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit,  Effizienz zu vergessen.  Die Eröffnungs-
feier (Ausschnitt aus der Reportage von Werner Schneider, MP 3) wurde diesem Konzept voll
gerecht: Sie war heiter, gelöst, frei von allem Bombastischen  -  und lief trotzdem reibungslos
ab.

      Es waren ja auch alle Voraussetzungen für ein großes Völkerfest da: Das aufregende Sta-
diongelände  mit dem damals  sen
sationellen Zeltdach,  das herrliche Wetter,  die glänzenden 
sportlichen Leistungen, ein Mega
star wie Mark Spitz, der die Menschen elektrisierte, ein Pub-
likum, das in seiner Fachkunde,
seiner  Begeisterungsfähigkeit und seiner absoluten Fairness 
(ich erinnere mich mit einem
leichten Schauer an die Jubelwoge, in der der Ugander John Akii-
Bua nach seinem Tri
umph über 400 m Hürden badete) seinesgleichen suchte - alle Vorausset-
zungen dafür, dass
"München 1972"  die schönsten Olympischen Spiele aller Zeiten  beherber-
gen würde, waren
gegeben, bis ...
                       .. ja, bis das Unbegreifliche geschah, der jähe Einbruch brutaler Weltpolitik in 
die scheinbar heile Welt des Sports. Mit München 1972 hat der Sport endgültig seine Unschuld
verloren, danach war nichts mehr wie vorher. Das Attentat auf die israelische Mannschaft traf
alle völlig unvorbereitet - die Beendigung der Geiselnahme war ein Waterloo deutscher Polizei-
arbeit. Das Blutbad von Fürstenfeldbruck ist mit München 1972 unlösbar verbunden. Im
kollek
tiven Bewusstsein der Menschen, die in irgendeiner Weise mit Sport zu tun haben, sind
diese
Olympischen Spiele nicht als die "heiteren", sondern als die blutigen gespeichert.

   Und trotzdem war da noch anderes, sind da persönliche Erinnerungen, bleiben Bilder - auf  Dias, in Zeit-
schriften, in Büchern und vor allem in meinem Kopf.

   Da sind gewiss auch die Bilder von jenem Tag, an dem ein Gerücht das andere ablöste, von dem Abend,
 an dem wir noch hofften, und von dem Morgen, an dem die niederschmetternde Wahrheit durchsickerte -
 aber da  schieben sich immer mehr andere Bilder davor:  Erinnerungen an die Monate vorher, an die Tage der
 Auswahl
für das Sprecherteam, an die Schulungen in München mit damals berühmten Fernsehleuten, an die 
 Einführung in die Stadiontechnik, an die Mikrofonproben mit "Blacky" Fuchsberger, der in der Sprecherkabine
 im Olympiastadion erst einmal eine Runde "4711" ausgab,[wofür er damals Fernsehwerbung machte, was ihm
 ein Jahr frei Duften einbrachte...] - danach stank besagte Kabine allerdings wie ein orientalisches Bordell (also
 jedenfalls so, wie ich mir ein solches Institut vorstellte, damals...). 
   Da ist die Erinnerung an meinen ersten Hubschrauberflug - zusammen mit Sir Stanley Rous, dem FIFA-
 Präsidenten, zur Inspektion der einzelnen Spielorte des Olympischen Fußballturniers: Ingolstadt, Regensburg,
 Passau. Zwischendurch wurde mir auf dem Flug immer mal wieder schlecht, aber das
konnte ich natürlich nicht
 zugeben, wenn ich den alten Herrn neben mir ansah, der alles mit stoischer
Ruhe über sich ergehen ließ - ein
 Brite eben, ein Gentleman, wie er britischer kaum sein konnte. 

    Und da sind auch noch andere Erinnerungen, unmittelbare und vermittelte. Vermittelt, weil nicht von mir selbst
erlebt, ist die Erinnerung daran, dass München 1972 immerhin dem schwedischen Thronfolger Carl Gustav die Frau
seines Lebens geschenkt hat: Königin Silvia war damals, als sie noch Silvia Sommerlatt hieß, eine der Hostessen
bei den Spielen (das war damals etwas durch und durch Anständiges...) - so wie übrigens auch meine Schwester
Roswitha, die freilich in der ihr eigenen politischen und moralischen Konsequenz am Tag nach dem Attentat abreiste,
weil sie es unerträglich fand, was IOC-Präsident Avery Brundage [Spitzname: Average Brandy] am Tag der
Trauerfeier für die Opfer des Attentats gefordert hatte: "The Games must go on!"

   Mussten sie wirklich?

   Sie gingen weiter, wie man weiß, aber es waren andere Spiele. Vorbei die beschwingte Freude eines Weltfestes,
 vorbei  der
unbeschwerte Jubel über große sportliche Leistungen, vorbei der Traum von dem freundschaftlichen
 Treffen von jungen und
älteren Menschen aus allen vier Ecken der Welt, vorbei die Hoffnung auf - zumindest 
 vorübergehenden - Frieden. Das  Gespenst
künftiger Olympischer Spiele im Hochsicherheitstrakt ging um  - und für
 die Pessimisten war der Gedanke des alten Barons de
Coubertin bereits auf die Müllhalde der Geschichte verbannt.

   Die Optimisten haben Recht behalten. Es ging weiter, zunächst unter schweren politischen Boykott-Belastungen
 in Moskau und Los Angeles, es gab auch den Sündenfall der unglaublich chauvinistischen Coca-Cola-Spiele von
 Atlanta - aber da war eben auch die großartige Wiederauferstehung des olympischen Gedankens - in veränderter
 Gestalt natürlich, weit weg vom Amateursport - bei den unvergesslichen Spielen von Sydney.
Die herrlichen Bilder
 aus "Down Under" haben die frohen Erinnerungen an München wieder geweckt -
und vieles ist mir wieder eingefallen:

 
Chronik der Olympischen Spiele
Olympia - Lexikon



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