Jeder Vogel hält sein Nest für schön -
nur die Deutschen scheißen hinein... >>>mehr

aktuell
* Verzeichnis aller Texte über Sprache in dieser Internetpräsenz
* Jugendsprache: http://www.ub.uni-konstanz.de/v13/volltexte/2000/593//pdf/lueg3001.pdf* Zum Thema Jugendsprache:    
*  "Is voll krass eh"- Neue Trends in der Jugendsprache.  Eine Zusammenstellung von Detlev Mahnert
* Diese Seite und die damit zusammenhängenden anderen Seiten waren u.a. Gegenstand einer
   Dissertation von Falco Pfalzgraf an der Universität  Manchester: 

   Einstellungen von Laien zum Fremdsprachengebrauch im Deutschen.

   Die Arbeit befasst sich kritisch mit Internet-Aktivitäten von Sprachpflegern, die nicht Linguisten sind.
Wer sich der Frage der Sprachentwicklung rein wissenschaftlich nähern möchte, dem sei die
   Literaturliste von Michael Schneider
 empfohlen.
 
* Auch in anderen Ländern sorgt man sich mehr und mehr um den Bestand der eigenen Sprache.
   Der anglo-amerikanische Sprachimperialismus ist u.a. Gegenstand der schwedischen Internetseiten
http://www.sprakforsvaret.se/
       * Einige lesenswerte Artikel zum Thema "Deutsche Sprache der Gegenwart" >>>>
        
       * "Isch geh Schule, wie isch Bock hab" - Tendenzen der Jugendsprache
       * 
"Der Schiller, der ist Rock'n'Roll"  
          Seite für Lehrerinnen und Lehrer - Zusätzliche Verweise auf andere Seiten im Netz
Was diese Seite will:
 
Als ich nach Deutschland kam, sprach ich nur Englisch -
aber weil die deutsche Spracheinzwischen so viele englische Wörter hat,
spreche ich jetzt fließend Deutsch!
 Rudi Carrell


Damit es von vornherein keine Missverständnisse gibt: 

Das ist keine Seite, auf der sich irgendwer in dumpfer Deutschtümelei bestätigt fühlen könnte, auf der irgendeine Kultur, irgendeine Sprache verächtlich gemacht wird. Ich habe selbst Englisch studiert und ich halte viel davon, diese Sprache zu verstehen und zu sprechen. Ich finde es angenehm, dass man auf Reisen in vielen Teilen der Welt sich auf Englisch notdürftig verständigen kann, weil
die Rolle der englischen Sprache als "lingua franca" inzwischen kaum noch bestritten werden kann. Dass
man in Rejkjavik, Shanghai, Rovaniemi oder Windhoek auf Englisch nach dem Weg fragen kann und dann gewöhnlich in die richtige Richtung geschickt wird, erleichtert das Reisen ungemein: Wer kann denn schon neben den gängigen Sprachen auch noch Isländisch, Chinesisch,
Oshivambo
oder Finnisch? (Allerdings: Etliche Wikinger verstehen auch Deutsch, und in Namibia kommt man stellenweise mit Deutsch auch noch ganz gut zurecht...)

Das ist, nebenbei, auch keine Seite, auf der der Untergang des Abendlandes beschworen wird, weil die deutsche Rechtschreibung ein wenig - und nicht besonders gelungen - reformiert worden ist.

Aber:

Das ist eine Seite über die deutsche Sprache, die meine Muttersprache ist und die eine Entwicklung erfährt, die mir nicht gefällt.
Das ist eine Seite, auf der ich diese Entwicklung kritisch verfolgen möchte - und damit bin ich zum Glück nicht ganz allein:

Es gibt eine Gegenbewegung in Deutschland und auch in anderen Ländern, z.B. in Schweden, wehrt man sich gegen die 
überbordenden Anglizismen, teilweise sogar mithilfe von Gesetzen, die zum Schutz der Landessprache erlassen wurden.
Über 30.000 Mitglieder im Verein deutsche Sprache, Rückkehr zu deutschen Werbesprüchen, Diskussion um eine Quote für deutschsprachige Musik in den Massenmedien usw. - es lohnt sich doch, sich um den Erhalt der Muttersprache zu bemühen... 

"Oder ist die deutsche Sprache vogelfrei, als eine Kleinigkeit, die nicht des Schutzes der Gesetze wert ist, den doch jeder
Misthaufen genießt?
(Arthur Schopenhauer)

Wer meint, man könne "nach Auschwitz" nicht mehr guten Gewissens Deutsch sprechen, weil die Nazis die deutsche Sprache ein für allemal in Misskredit gebracht hätten (deshalb sollte ja der damalige Bundespräsident Horst Köhler bei seinem Besuch in Israel nach Meinung einiger orthodoxer Minister seine Rede im Parlament auf Englisch vortragen), dem halte ich die Worte des rechter Umtriebe sicher unverdächtigen Marcel Reich-Ranicki entgegen. Der wohl populärste deutsche Literaturkritiker der Nachkriegszeit, einer der letzten noch Überlebenden des Warschauer Ghettos, hat dazu in der FAZ im Januar 2005 gesagt, es sei, "blanker Unsinn", wenn in Israel behauptet werde, die deutsche Sprache sei durch die Verbechen der Nazis diskreditiert. "Wahr ist vielmehr, dass die deutsche Sprache von den Nazis missbraucht und von Hitler und vielen seiner engsten Mitarbeiter auf ungeheuerliche Weise verhunzt wurde."

Und dieses Gefühl, sich auch noch 70 Jahre nach Kriegsende seiner Sprache schämen zu müssen, weil es die Sprache der Henker war, mag ein Grund sein für die Flucht vor der eigenen Sprache.




Einige Beispiele zum Zustand der Sprache
<HollinG>; Jo, ich hab da ganz default reingeburstet, und als er dann weggestraft ist, slide ich so um die corner, voll in die flash, und wurde dann derbe weggebasht
von dem base-idler, der da ge0wnt hat, und ich dann ganz g0sureingestylt. Nach dem nächsten spawn hab ich dann nur geheaddered beim rushen.  
Dann kam da son Vollb00n und hat mich gevotet. 
Ich so nächste Runde Speedhack an und den voll weggeknift in die Legs. Hab voll ger()l3rd. Dann habn die die Anti-Cheatprotection angeswitcht und mich gewatcht, 
für die anderen war das ownage, aber ich fand's carebear.
Übersetzung

Leseprobe aus dem Alltag (von Johannes Michalowsky):
"Eben bekomme ich von Customer Care der Deutschen Telekom AG die Message, daß ich jetzt meine Rechnung Online bekomme. Ich kann sie dann
downloaden und auf meine Hard Disc storen. Nachdem ich sie auf meinem Laser-Jet geprintet habe, kann ich sie dann dort wieder deleten, damit sie mir
nicht zuviel Space wegnimmt. Für künftigen Access habe ich mir sicherheitshalber die URL der Web Site gebookmarkt.
Bei Unklarheiten darf ich die Hotline contacten."


(Wie gut, dass sich die englischen Verben so herrlich deutsch konjugieren lassen!)

Leseprobe aus dem Arbeitsleben:
"Heute morgen hatten wir das Kick-Off-Meeting zum neuen Workshop zum Thema "Baselining und Benchmarking". Dabei haben wir festgestellt,  dass einige Skills
nicht in unserer Portfolio passen. Außerdem müssen wir unser Customer Relationship Management verbessern, denn unsere Message kommt nicht so recht rüber.
"

Nicht verstanden??? Dann aber doch sicher das Telefonat aus Australien für die Werbeagentur.... 

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Ist die deutsche Sprache noch zu retten?

"Jeder Vogel hält sein Nest für schön..." (italienisches Sprichwort).
Die Franzosen sind allgemein der Ansicht, dass nur die französische Sprache es wert sei, sich mit ihr zu beschäftigen.
Selbst hoch gebildete Italiener glauben ernsthaft, dass sich für das Singen ausschließlich die italienische Sprache eignet.
Die Engländer denken gar nicht darüber nach, weil man ihnen ohnehin in der ganzen Welt in ihrer Sprache entgegen kommt.


Die Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das seine Sprache nicht schätzt, nicht pflegt, nicht verteidigt.
Die Deutschen sind das einzige Volk der Welt, in dem öffentlich von einem Regierungschef (Baden-Württembergs ehemaligem Ministerpräsidenten Oettinger)
gefordert wird, die eigene Sprache durch eine andere, nämlich Englisch, zu ersetzen. (Aber offenbar hat dieser Herr Oettinger nach seinem peinlichen Auftritt
als englisch schwäbelnder EU-Kommissar noch einmal darüber nachgedacht, was er da ziemlich unüberlegt von sich gegeben hat: Nicht nur, dass er inzwischen
recht ordentlich Englisch gelernt hat, er verteidigt inzwischen in der EU-Kommission auch durchaus die deutsche Sprache. Und angesichts des Brexit sollte
eigentlich in der EU die Roille der deutschen Sprache als des zahlenmäßig stärksten Mitglieds neu überdacht werden, nachdem Irland inzwischen das einzige
Mitglied mit der Staatssprache Englisch ist.

Die Deutschen sind das einzige Volk der Welt, in dem ernsthaft behauptet werden kann, eine lebende Sprache, nämlich ihre eigene, sei weniger modern
als eine andere.


Jeder Vogel hält sein Nest für schön - nur die Deutschen scheißen hinein.

Freilich, auch hierzulande gibt es Menschen, die versuchen, das Dahinsiechen der Muttersprache aufzuhalten und z.B. aussterbende Wörter zu konservieren.
"
Wörter im Visier" heißt eine Internetseite, auf der solche Aktivitäten vorgestellt werden, z.B. das Wortmuseum.  

In Facebook gibt es eine sehr aktiv Gruppe "Fast vergessene deutsche Worte"; die Diskussion darüber, ob es "Worte" oder "Wörter" heißen muss - natürlich
muss es "Wörter" heißen - ist allerdings noch nicht beendet.


Das ändert aber nichts daran, dass die deutsche Sprache nach wie vor in einer Verteidigungssitation ist, dass es Menschen in Deutschland gibt, nicht nur den
Herrn Oettinger, die ernsthaft verkünden, unsere Sprache sollte zugunsten des Englischen ganz abgeschafft werden. Das ist beispielsweise auch aus FDP-Kreisen gefordert worden, im Interesse der Wirtschaft natürlich.

Jutta Limbach, von 1994 bis 2002 als Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts Deutschlands oberste Richterin und bis 2008 auch Präsidentin der
Goethe-Gesellschaft, sieht das allerdings ganz anders: "Wir müssen unsere Sprache pflegen!", lautet ihr Appell in einem Gespräch mit DerWesten.de

Die Gefahr liege dabei nicht in vereinzelten Anglizismen, sagt Professor Christian Meier, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache
und Dichtung in Darmstadt,
sondern in der Auswanderung der Eliten aus der deutschen Sprache. "In der Wirtschaft und in der Wissenschaft spricht man heute meist "BSE": bad simple english."
In den Vorstandsetagen der Deutschen Bank [oder neuerdings bei Volkswagen] werde nur noch Englisch geredet.
"Man denkt aber in seiner Muttersprache, und das bedeutet, dass bei einem Wechsel in eine Fremdsprache die hochinnova
torische Potenz des Denkens beeinträchtigt wird.“

Dies beschreibt zum Beispiel der Berliner Romanist Jürgen Trabant: „Ich bin dann einfach nicht so gut. Mir fehlt mein Instrumentarium.“
Wer Englisch nicht gut beherrsche, benutze einfache Wendungen. Dadurch simplifizieren sich auch seine Sätze, so dass er „allzu schlicht,
wenn nicht gar blamabel inkompetent“ wirkt. (
Der Spiegel Nr. 40 vom 2. Oktober 2006, S. 182-198; S. 194f.)

"Sprache ist nicht nur ein Mittel zum Austausch von Informationen, sondern das wichtigste Beziehungsmittel zu der uns umgebenden Welt. Sprechen, Denken und Wahrnehmung stehen in einem sehr engen Verhältnis. Zu viele Fremdwörter machen den Menschen ihre eigene Sprache fremd; sie fühlen sich in ihr nicht mehr heimisch und deshalb unbehaglich. Das darf man nicht gering schätzen, sondern muss es ernst nehmen. Kulturelle Identität gehört zu den wichtigsten Grundbedürfnissen menschlichen Lebens. So sollten auch einige große und alt eingesessene Firmen aufpassen, dass sie sich nicht bei dem Versuch, durch englischsprachige Ausdrücke [...] sich ein modernes Image zu verschaffen, ihrer alten Kundschaft entfremden." (Prof. Dr. Jörg Hennig, Universität Hamburg)

"Denglisch bzw. «Neudeutsch» ist eine Art geistiges AIDS, von dem bereits die meisten Deutschen betroffen sind und - was noch schlimmer ist - an dieser Unart und Unkultur ihren Gefallen finden. Beinahe kein deutscher Vortrag bei internationalen Tagungen ist 
heute ohne geballten Gebrauch von englischen Vokabeln und Floskeln denkbar. Für die Zuhörer und erst recht für die Dolmetscher und Übersetzer stellt diese schockierende Beflissenheit um die bedenkliche Spracherneuerung eine zusätzliche Herausforderung dar. Die Preisgabe der Nationalsprachen wäre aus meiner Sicht ein unzumutbar teurer Preis für die Globalisierung der Wirtschaft und leichtere Kommunikation auf dem internationalen Parkett."
Juri Novikov, Dipl.-Dolmetscher Moskau
Quelle: http://links-guide.ru/sprachen/lexika/denglisch.html
                 Die Gefahr, dass Deutsch als Wissenschaftssprache verkümmert, erkennen in der letzten Zeit aber mehr und mehr Wissenschaftler und Politiker.
                 Eine Anhörung im Bundestag (früher nannte man so etwas ein "Hearing"...) und Nachrichten über den ständig sinkenden Anteil deutschsprachiger
                 Fachpublikationen in der ganzen Welt haben eine breite Debatte in Gang gesetzt, die vorläufig in einer gemeinsamen sprachpolitischen Erklärung
                 einer Reihe von Wissenschaftsorganisationen mündete. Fazit. Deutsch und Englisch sollten nicht als Konkurrenz, sondern komplementär verstanden
                 werden. >>> mehr

                                                                                                Meinungen und Diskussionen

Aktuelles



rettet dem dativ
Na und?

Die deutsche Sprache war immer sehr flexibel, hat über Jahrhunderte immer wieder Begriffe aus anderen Sprachen aufgenommen und integriert - Friedrich II. von Preußen befand sogar, Deutsch sei eine Sprache für Pferdeknechte, weshalb er sich bevorzugt auf Französisch unterhielt, und meine Oma kaufte für die Eisenbahn ein Retour-Billet, wartete auf Perron 2 auf den Zug, saß dann im Nichtraucher-Coupé und wartete auf den Konduktör. Und wenn sie schlafen ging, deckte sie sich mit einem Plümo
(= Plumeau) zu, worüber jeder Franzose sich arg verwundert hätte, weil das französische Wort plumeau keineswegs "Federbett" bedeutet, sondern "Federbusch", etwas, was Soldaten zwar durchaus stolz auf ihrem Helm trugen, was im Bett aber doch nur unzureichend wärmte...

Warum also über's Handy aufregen, auch wenn es das im Englischen nur in der Bedeutung "handlich"gibt?


Alles schon mal da gewesen!
Alles schon mal da gewesen?
Ja und nein.

Sind die Deutschen der "Affe des Auslands"?

"Wäre es nicht an der Zeit, das Français réfugié (= Flüchtlingsfranzösisch - von den nach Aufhebung des Edikts von Nantes aus Franreich geflüchteten Protestanten) oder Gouvernantenfranzösisch gegen unsere recihere, reinere, ehrlichere und kräftigere Frau Muttersprache auszutauschen? (...) Werden wir nie Deutsche werden, nie aufhören, die Affen des Auslandes zu sein und sprechen, wie uns der Schnabel gewachsen ist?" 
(Karl Julius Weber, Demokritos. Die Berufsstände. Leipzig: Handel Verlag, 1927, S. 12

Dieser Ausbruch des "lachenden Philosophen" widerlegt die These, dass die Deutschen sich erst seit dem Zusammenbruch der Nazi-Herrschaft ihrer Sprache schämen: Weber, der Latein, Englisch, Französisch und Spanisch beherrschte und dessen Hauptwerk "Demokritos" vom Berliner Eulenspiegel-Verlag 1984 neu herausgegeben wurde, ist 1840 gestorben... Anscheinend gehört es zum deutschen Nationalcharakter, der "Affe des Auslandes" zu sein...

Aber Webers und anderer Sprachpfleger Appell blieb nicht wirkungslos: Die überflüssigen französischen Bezeichnungen sind nämlich eingedeutscht worden, und das ging ganz sicher nicht von selbst. Dass nämlich Sprache 'ein lebendiger Organismus' sei, der über genügend Selbstheilungskräfte verfüge, ist ein frommer Irrglaube: Um Sprache zu verändern, muss man gesellschaftliche Macht 
oder Ansehen haben
. (Der alte Mann in Peter Bichsels "Ein Tisch ist ein Tisch", der seine eigene Sprache erschaffen wollte, musste feststellen, dass er am Schluss völlig isoliert war - er hatte keine gesellschaftliche Macht und auch kein genügend großes Ansehen, 
um seine Änderungen durchzusetzen.) Die Abkehr von den überbordenden Gallizismen geschah vor allem durch die aktive Aufklärungsarbeit von Schriftstellern; heute ist die Rückfahrkarte so selbstverständlich geworden wie der Schaffner - der ist nur durch 

den "Zugbegleiter" ersetzt worden, wobei abzuwarten ist, wann daraus der Train Guide oder Service Manager wird, denn die 
"Deutsche" Bahn, bei der es keine "Auskunft" mehr gibt, sondern nur noch "ServicePoints", fürchtete eine Zeit lang die deutsche 
Sprache noch mehr als Jil Sander... (Aber selbst bei der Bahn fängt man an umzudenken, seit Mehdorn sich vom Acker gemacht hat: 
Die Service Points werden nach und nach wieder durch Bahn-Information ersetzt. Sicher, auch Information ist ein Fremdwort und man könnte auch leicht Auskunft sagen, aber im Gegensatz zu vielen Anglizismen ist Information ein internationales Wort, kommt 
aus dem Lateinischen, ist also gemeinsamer europäischer Kulturbesitz und nicht ein Kniefall vor der der angelsächsischen Hegemonie.)

Heute ist die Situation ganz anders: Die sklavische Übernahme nicht nur von Fachausdrücken, sondern von ganzen Alltags-Sätzen 
aus dem Anglo-Amerikanischen ist nicht mehr Ausdruck von (tatsächlicher oder auch nur eingebildeter) Bildung, sondern zum einen Symptom eines Totalverlusts an Selbstwertgefühl geworden. Aus lauter Angst, als provinziell, altmodisch oder gar nationalistisch angesehen zu werden, verzichtet man mehr und mehr auf die eigene Sprache und ersetzt sie durch ein "pseudokosmopolitisches Imponiergefasel", wie es Walter Krämer, der Vorsitzende des Vereins deutsche Sprache, wirksam - und inzwischen oft zitiert  -
formuliert hat. 

Zum anderen gibt es einen psychologischen Aspekt - darauf hat Kammersängerin Edda Moser, die im Oktober 2006 im thüringischen Rudolstadt ein "Festspiel für die deutsche Sprache" veranstaltete (unterstützt von dem Lyriker Reiner Kunze und den Schauspielern
Mario Adorf, Jutta Hofmann und Otto Schenk) hingewiesen: Die vielen Anglizismen gehen ihrer Meinung nach "auf eine tief sitzende
Angst vor echten Gefühlsäußerungen zurück. Die Leute meinen zwar «Verzeihung», sagen aber «sorry». Das ist viel oberflächlicher.
Aus Scheu vor Tiefe werden Gefühle versteckt...."

Auf dieses Phänomen - die Flucht in eine Fremdsprache aus Scheu vor der Präzision und Klarheit der eigenen -  hat übrigens schon Thomas Mann im "Zauberberg" hingewiesen, wo er seinen Helden Hans Castorp im Gespräch mit der geliebten Clawdia Chauchat sagen lässt: "Moi, tu le remarques bien, je ne parle guère le français. Pourtant, avec toi, je préfère cette langue à la mienne, car pour moi, parler français, c'est parler sans parler, en quelque manière, - sans responsabilité, ou comme nous parlons en rêve..." [Du hast sicher festgestellt, dass ich kaum Französisch spreche. Und doch -  mit dir spreche ich lieber deine Sprache als meine, denn für mich heißt Französisch sprechen irgendwie sprechen ohne zu sprechen - ohne Verantwortung, oder wie wir im Traum reden...]

Nun bedroht die Flut von Anglizismen und englischen Versatzstücken allein die deutsche Sprache noch nicht in ihrem Kern. Ganz entscheidend kommt es aber auf die Kraft der Sprache an, sich Fremdes einzuverleiben und zu verdauen. Damit ist gemeint, dass
das neu Erworbene nach den Regeln der deutschen Grammatik behandelt wird, damit der natürliche Fluss der Sprache erhalten bleibt.

Eine Werbebotschaft wie "Psycho- Shop - der Laden, in dem nur Verrückte arbeiten - is a division of Trendstyle GmbH &Co" aber verlangt dem Leser ein ständiges Springen zwischen den sprachlichen Systemen in seinem Kopf ab. Wozu das führt, zeigt besonders deutlich die Mischsprache vieler Migranten, die zwar scheinbar mühelos innerhalb eines Satzes vom einen Sprachsystem zum anderen hüpfen, aber in keinem der beiden Systeme mehr zu Hause sind: Es schwindet die sprachliche Sicherheit. Die deutsche Sprache ist nach Meinung einiger Linguisten bereits schwer geschädigt. "Die zur Assimilation unfähige Sprache ist eine tote Sprache", urteilt Horst Hensel, 2. Vorsitzender des Vereins deutsche Sprache - und steht damit im krassen Widerspruch zu den Leuten, die in dem Überhandnehmen "flippiger" englischer Modewörter ein Zeichen von Lebendigkeit erkennen wollen.

   Wer im 18. Jahrhundert etwa französische Brocken in die deutsche Rede einfließen ließ, wollte zweifellos angeben, gehörte aber immerhin zu einer gebildeten Oberschicht: Französisch war die Sprache der Intellektuellen, der Diplomaten, des Adels -  in diesen begrenzten Gesellschaftsbereichen war sie vielleicht am Platz, verschwand aber allmählich im Zuge der Demokratisierung der Gesellschaft.

   Wer heute seine Rede mit englischen Wörtern, Redewendungen, Sätzen durchsetzt, mag seine Gründe dafür haben: im weltweiten Netz haben sich englische Fachbegriffe weitgehend durchgesetzt - das liegt allerdings an der wirtschaftlichen Hegemonie der USA einerseits und dem fehlenden Selbstbewusstsein der meisten deutschen Informatiker andererseits, nicht an der Sache selbst: Es stimmt nämlich nicht, dass die Wörter mit der Sache gekommen seien: Der Computer ist - viele haben's wohl vergessen - eine Erfindung des Deutschen Konrad Zuse, der das Ding auch sachgerecht Rechner genannt hatte, und die Amerikaner haben den Begriff latinisierend (computare = zählen, rechnen; vgl. französisch compter) in ihre Sprache übertragen. Die Franzosen, dem großen transatlantischen Bruder gegenüber
ohnehin immer nur in skeptischer Zuneigung verbunden, haben den Computer nicht übernommen: Sie haben einen Ordner daraus gemacht, einen ordinateur, und sie haben ganz selbstverständlich das "download" durch "télécharger" ersetzt - elegant, voll in das französische Sprachsystem passend und zielgenau.

Klar, es gibt englische Ausdrücke, die selbstverständlich geworden sind: Für das "Baby" etwa haben wir keinen angemessenen deutschen Ersatz: Weder Kleinkind noch Säugling vermögen die emotionale Wärme auszudrücken, die im "Baby" steckt (das kann höchstens das tirolerische "Poppele"), und auch Jeans, Manager u.a. stören keinen mehr: Sprache hat sich immer so entwickelt, und die deutsche Sprache hatte immer eine besondere Fähigkeit, Begriffe aus anderen Sprachen zu assimilieren. Kein Mensch käme auf die Idee, statt "Baguette" etwa "Weißbrotstange" zu sagen oder statt "Konto" vielleicht "Geldverwahrstelle" - und des großen Beethovens Versuche, das "Pianoforte" durch "Lautleise" und die "Jalousie" durch "Fensterherabfalldunkelmachsonnabwehrleinwandslappen" zu ersetzen, sind aus verständlichen Gründen gescheitert... 

   Neben einer Übernahme von Fachbegriffen, wie sie z.B. auch die Wirtschafts-Diskussion beherrschen (ein Begriff wie Out-Sourcing z.B. scheint sich zwar dem phonetischen Bestand des Deutschen nicht ohne Weiteres anzupassen, ist aber von einer Prägnanz, die deutsche Äquivalente, wenn es sie denn gäbe, schwerfällig erscheinen ließe), finden sich heute aber durchaus fragwürdige Motivationen. Wie oberflächlich z.B. die Behauptung ist, Englisch sei knapper, präziser, zupackender als Deutsch, orientiert sich offenbar nur an einigen oberflächlichen Beobachtungen und verkennt z.B. den gewaltigen Präzisionsvorsprung, den Deutsch durch seine Vorsilben hat. (Vgl. dazu den Aufsatz von Götz Fischer, "Englisch sei besser als Deutsch".)

   Wenn etwa ein deutsches Unternehmen in Essen deutsche Arbeitskräfte anwirbt mit dem Werbespruch  "We are looking for ... Schweißer" (das letzte Wort würde ich gerne ohne "w" zurückgeben...), 
   wenn der Sulzenbacher-Wirt im bayrischen Böhmzwiesel an die Tür seiner Gaststätte das Schild "Yes, we are open" hängt, um das Weltniveau seines Etablissements zu betonen,
   wenn das deutsche "Klassik-Radio" von "Musik zum Entspannen und Genießen" auf "First Class Music" umstellte, *
   wenn ein Schulbuchverlag wie Klett, der sich eigentlich um die Pflege der deutschen Sprache bemühen müsste, in einem Rundschreiben für Deutsch (!!!) -Lehrer vom "Event Goethe" schwadroniert, 
   
wenn ein anderer deutscher Sender mit dem Spruch "Powered by emotions" wirbt (wer von den Kunden dieses Senders versteht den Spruch wohl???) [Keiner anscheinend - und so ist der saublöde Werbespruch auf einmal - diesmal natürlich nicht angekündigt - verschwunden: SAT 1 wirbt wieder auf Deutsch!]
    wenn eine großes Parfumerie-Kette ihre Kunden mit den Worten einlädt "Come in and find out", obwohl mehr als die Hälfte der Kunden diesen Spruch nicht versteht
    wenn ein Verlag wie Cornelsen, der brillante Deutschbücher veröffentlicht, auf seiner Seite für die "Kids" (das sind ja eigentlich kleine Ziegen, abgeleitet von dem deutschen Wort "Kitz" - wie Rehkitz z.B.) ein "Log In für Member" anbietet... 

... dann entspringt das keiner linguistischen Notwendigkeit, keinem kommunikativen Bedürfnis, sondern zumeist einer Unklarheit im Denken, sprachlicher Trägheit und vor allem jener Amerika-Hörigkeit, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland mehr als in allen anderen (auch betroffenen) Ländern um sich gegriffen und den Lebensstil einer ganzen Generation geprägt hat. Der "American Way of Life", den schon Max Frisch im Homo Faber kritisch auf seine Berechtigung befragte, ist immer noch fast ungebrochenes Vorbild, und die anglo- amerikanischen Versatzstücke werden selbst von denen als Ausdruck globalen Zeitgeists gefeiert, die zwischen zwei Events (z.B. der Frühjahrskirmes und der Disco im Pfarrsaal) sich daran erinnern, dass der Überfall auf andere Länder mit anschließender Folterung und Demütigung der Gefangenen als globales Verhaltensmuster vielleicht doch nicht so wünschenswert sein könnte. Dieser Gedanke lag auch der Aktion "Sprachdemo" zugrunde, die vom Institut für Germanistik der Universität Magdeburg ausging: Prof. Dr. Dr. h.c. Armin Burkhardt rief "die Medien und die Politik zu einem friedlichen sprachlichen Protest" gegen die amerikanische Politik auf:

Wer unrechtmäßige, z.T. sogar unmoralische Politik betreibt, kann jedoch kein Vorbild sein. Die Arbeitsgemeinschaft ”Sprache in der Politik” ruft daher alle Deutschsprachigen dazu auf, anstelle der englischen wieder vermehrt französische Lehnwörter zu verwenden, also etwa statt ”Abstract” wieder ”Resümee”, statt ”Model” wieder ”Mannequin”, statt ”Ticket” wieder ”Billet”, statt ”Box” wieder vermehrt ”Karton”, vielleicht sogar demonstrativ statt ”Computer” ”Ordinateur” zu sagen und den Abschiedsgruß ”Adieu”/”Ade” auch in den Gegenden wieder zu pflegen, wo er sonst nicht gebräuchlich ist.

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* Der Ordnung halber muss gesagt werden, dass Klassik-Radio inzwischen wieder Deutsch spricht

Nun könnte man diese Tendenz für eine vorübergehende Mode oder eine wünschenswerte Internationalisierung der Deutschen halten und mit einem "So what?" darüber hinweggehen - wenn die Konsequenzen nicht möglicherweise sehr ernst wären: Wir sind in Deutschland aus lauter Angst vor unserer unseligen Geschichte auf dem besten Wege, unsere Sprache und damit unsere Identität preiszugeben.

Das ist die eine Angst, die uns unsere eigene Sprache vergessen lässt, und diese Angst ist sehr deutsch.

Die andere ist international: Die Angst, den globalen Weltwirtschaftszug zu verpassen und abgehängt zu werden, wenn man sich nicht dem angelsächsischen Sprachimperialismus beugt (der im Übrigen nur deshalb funktioniert, weil so viele so bereitwillig mitmachen).

Nicht alle Völker lassen sich das so gefallen wie die Deutschen, die zum großen Teil noch stolz auf ihren Identitätsverlust sind, weil sie meinen, auf diese Weise die Rolle des bösen Nazis im Weltgewissen loszuwerden  (was regelmäßig in die Hose geht...). In Rumänien zum Bespiel hat eine Musikgruppe großen Erfolg, die sich gegen die Amerikanisierung des Landes wehrt:

Puya feat Connect-r - American Dream:   "I can be what I want to be/ losing my identity...

Wir selbst sind für die Entwicklung unserer Muttersprache verantwortlich und sollten alles tun, um das Besondere unserer Sprache zu erhalten. Nicht aus nationalistischen Überlegungen, auch nicht aus kommunikativen Gründen, sondern weil es notwendig ist, das Eigengepräge der Einzelsprachen zu erhalten. Sprache, Denken und Wahrnehmung der Wirklichkeit stehen in einem engen Zusammenhang, die einzelnen Sprachen teilen die Dinge der Welt unterschiedlich ein und beeinflussen damit Denken und Wahrnehmung in ganz unterschiedlicher Weise. Verschiedene Sprachen ermöglichen verschiedene Zugänge zur Welt,
sie bieten verschiedene Perspektiven, verschiedene 'Brillen' an, und diese Vielfalt darf nicht verloren gehen.

Die meisten Völker sind stolz auf ihre Sprache und pflegen sie. Die "linguistic submissiveness" (sprachliche Unterwerfung der Deutschen - so spottete die Londoner Times) ist dagegen würdelos, peinlich, lächerlich, die zunehmende Ersetzung unserer Muttersprache durch ein aufgeblasenes "Denglisch" ruft bei ausländischen Gästen keineswegs Bewunderung, sondern Kopfschütteln hervor. "Bin ich hier in Chicago oder wo?" fragte - wie Walter Krämer berichtet - verstört ein polnischer Geisteswissenschaftler nach seiner Ankunft auf dem Düsseldorfer "Airport", und ebenso verstört zeigte sich ein norwegischer Museumsmann, der irrtümlich glaubte, in Hamburg werde Deutsch gesprochen...

"Traue nur dem, der sich selbst vertraut", heißt es in einem alten Sprichwort unter Reisenden - wer soll den Deutschen noch trauen?

Alle sollten sich kritisch mit diesen Tendenzen der deutschen Sprache auseinandersetzen - durch Gespräche im Bekannten- und Kollegenkreis, durch bewussteren, sinnvollen Umgang mit Anglizismen und durch Protestschreiben an die Sprachhunzer. Argumente gibt es genug...

Einige Beispiele lege ich hier vor - das allgemeine Bewusstsein, dass es so nicht weiter gehen darf, ist durchaus gewachsen: Das am 6.2.2001 gegründete  "Berliner Sprachbündnis" ist neben dem VdS ein weiteres Zeichen der Hoffnung...

Alt-Bundespräsident Johannes Rau hat in einer Rede am 23.11.2000 in Mainz übrigens vielen Politikern aus dem Herzen gesprochen, als er u.a. sagte:

 "Der inflationäre Gebrauch von Amerikanismen in der Werbung und in den Medien, aber auch in den 
Veröffentlichungen vieler Unternehmen und Behörden, soll Fortschrittlichkeit und Modernität signalisieren.
  Tatsächlich aber ist er oft ein Hinweis auf die Verarmung der Ausdrucksfähigkeit in der eigenen Sprache.
  Tatsächlich grenzt er all diejenigen aus, die Englisch und Amerikanisch nicht verstehen: viele Ältere, 
viele Jugendliche, die nicht die entsprechende Schulbildung haben, viele Menschen aus den neuen 
Ländern und, das sollten wir auch nicht vergessen, viele der in unserem Lande lebenden Ausländer."

                                                                                                  Zitiert nach: Sprach-Nachrichten, Verein Deutsche Sprache e.V. , Nr. 4/2000, S. 1

 


 Beispiele 
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Übersetzung des  Texts von Hollin G
Ich habe ganz normal geschossen, als er dann seitlich wegging, bewegte ich mich um die Ecke herum und lief direkt in eine Blendgranate hinein.
Anschließend hat mich ein Spieler von hohem Niveau, der sich vom Startpunkt noch nicht weg bewegt hatte, abgeschossen. In der nächsten Runde
gab ich nur Kopfschüsse während eines Sturmangriffes ab. Ein Vollidiot hat dafür gestimmt mich vom Server schmeißen zu lassen.
In der nächsten Runde habe ich gemogelt und durch einen unerlaubten Trick das Geschwindigkeitslimit übertreten. Mit einem Messer
habe ich seine Beine erwischt. Ich habe das Spiel bestimmt. Allerdings wurde nun ein Programm zur Überwachung von unerlaubten
Tricks aktiviert und ich wurde beobachtet. Den anderen hat das natürlich gefallen, aber ich fand's lächerlich.
 aus Wikipedia
Letzte Änderung am 26.06.2017