
Jeder
Vogel hält sein Nest für schön -
nur
die Deutschen
scheißen hinein... >>>mehr
aktuell
Als ich nach
Deutschland
kam,
sprach ich nur Englisch -
aber weil die deutsche Sprache
inzwischen so viele englische Wörter hat,
spreche ich jetzt fließend Deutsch!
Rudi Carrell
Damit
es von vornherein keine
Missverständnisse gibt:
Das ist
keine Seite, auf der sich irgendwer in
dumpfer Deutschtümelei bestätigt fühlen
könnte.
Das ist
keine Seite, auf der irgendeine Kultur, irgendeine Sprache
verächtlich gemacht wird. Ich habe selbst Englisch studiert
und
unterrichtet und ich halte viel davon, diese Sprache zu verstehen und
zu sprechen. Ich finde es angenehm, dass man auf Reisen in vielen
Teilen der Welt sich auf Englisch notdürftig
verständigen
kann, weil die Rolle der englischen Sprache als "lingua franca"
inzwischen kaum noch bestritten werden kann. Dass man in
Rejkjavik, Shanghai, Rovaniemi oder Windhoek auf Englisch nach
dem Weg fragen kann und dann gewöhnlich in die richtige
Richtung
geschickt wird, erleichtert das Reisen ungemein: Wer kann denn schon
neben den gängigen Sprachen auch noch Isländisch,
Chinesisch, Oshivambo oder Finnisch?
(Allerdings: Etliche
Wikinger verstehen auch Deutsch, und in Namibia kommt man stellenweise
mit Deutsch auch noch ganz gut zurecht...)
Das ist, nebenbei, auch keine Seite, auf der der Untergang des
Abendlandes
beschworen wird, weil die deutsche Rechtschreibung ein wenig - und
nicht besonders gelungen - reformiert
worden ist.
Aber:
Das
ist eine Seite über die deutsche Sprache, die meine
Muttersprache ist und die eine Entwicklung erfährt, die mir
nicht
gefällt.
Das ist eine Seite, auf der ich diese Entwicklung kritisch verfolgen
möchte - und damit bin ich zum Glück nicht ganz allein:
Es gibt eine Gegenbewegung in Deutschland, und auch in anderen
Ländern, z.B. in Schweden, wehrt man sich gegen die überbordenden
Anglizismen,
teilweise sogar mithilfe von Gesetzen, die zum Schutz der Landessprache
erlassen wurden.
Über 30.000 Mitglieder im Verein
deutsche Sprache, Rückkehr zu
deutschen Werbesprüchen, Diskussion um eine Quote für
deutschsprachige Musik in den Massenmedien usw. - es lohnt sich doch,
sich um den Erhalt der Muttersprache zu bemühen... "Oder ist die deutsche
Sprache vogelfrei, als eine Kleinigkeit, die
nicht des Schutzes der Gesetze wert ist, den doch jeder
Misthaufen genießt?" (Arthur Schopenhauer)
Wer
meint, man könne "nach Auschwitz" nicht mehr guten Gewissens
Deutsch sprechen, weil die Nazis die deutsche Sprache ein für
allemal in Misskredit gebracht hätten (deshalb sollte ja
der damalige Bundespräsident Horst Köhler bei seinem Besuch in
Israel nach
Meinung einiger orthodoxer Minister seine Rede im Parlament auf
Englisch vortragen), dem halte ich die Worte des rechter Umtriebe
sicher unverdächtigen Marcel
Reich-Ranicki entgegen. Der wohl
populärste deutsche Literaturkritiker der Nachkriegszeit,
einer
der letzten noch Überlebenden des Warschauer Ghettos, hat dazu
in der FAZ im Januar 2005 gesagt, es sei, "blanker
Unsinn", wenn
in Israel behauptet werde, die deutsche Sprache sei durch die
Verbechen der Nazis diskreditiert. "Wahr
ist vielmehr, dass die
deutsche Sprache von den Nazis missbraucht und von Hitler und vielen
seiner engsten Mitarbeiter auf ungeheuerliche Weise verhunzt wurde."
Und dieses Gefühl,
sich auch noch 65 Jahre nach Kriegsende seiner Sprache schämen
zu müssen, weil es die Sprache der Henker war, mag ein Grund
sein für die Flucht vor der eigenen Sprache.
|
Einige
Meinungen zur Sprache:
Mark
Twain
über die Schwierigkeiten Deutsch zu lernen
(Zitate
aus: "A_Tramp_Abroad.2C_Appendix_D.2C, gefunden bei Wikiquote)
- "Die
deutsche
Sprache sollte sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen abgelegt
werden, denn nur die Toten haben die Zeit, diese Sprache zu
lernen."
A Tramp Abroad, Appendix D, The Awful German Language
-
- (Original
engl.: "[…]
it ought to be gently and reverently set aside among the dead
languages, for only the dead have time to learn it.")
- "Einige
deutsche Wörter
sind so lang, dass sie eine Perspektive haben." -
-
- (Original
engl.: "Some
German words are so long that they have a perspective.")
- "Ich
ging oft ins Heidelberger
Schloss, um mir das Raritätenkabinett anzusehen, und eines
Tages
überraschte ich den Leiter mit meinem Deutsch, und zwar redete
ich
ausschließlich in dieser Sprache. Er zeigte großes
Interesse; und
nachdem ich eine Weile geredet hatte, sagte er, mein Deutsch sei sehr
selten, möglicherweise ein »Unikat«; er
wolle es in sein Museum
aufnehmen."
-
- (Original
engl.: "I
went often to look at the collection of curiosities in Heidelberg
Castle, and one day I surprised the keeper of it with my German. I
spoke entirely in that language. He was greatly interested; and after I
had talked a while he said my German was very rare, possibly a
»unique«; and wanted to add it to his museum.")
- "Wer
niemals Deutsch
gelernt hat, kann sich keine Vorstellung davon machen, wie verzwickt
diese Sprache ist. Es gibt sicher keine andere Sprache, die so
unordentlich und unsystematisch daherkommt und sich daher jedem
Zugriff entzieht." - A Tramp Abroad; Appendix D The Awful
German Language
-
- (Original
engl.: "A
person who has not studied German can form no idea of what a perplexing
language it is. Surely there is not another language that is so
slipshod and systemless, and so slippery and elusive to the grasp.")
|
Voulez-vous
apprendre les sciences avec facilité ? Commencez par
apprendre
votre langue.
Willst
du die
Wissenschaften leichter erlenen? Fang
damit an,
deine eigen Sprache zu lernen.
[Etienne de
Condillac]
Ein
jeder, weil er spricht, glaubt, auch über die Sprache sprechen
zu können.
(Goethe)
Wo
immer Sprache
vergewaltigt wird, verdreht
oder verbogen, folgt Schreckliches stets nach.
(Amos Oz)
|
"Diese
Tiefe, dieser Reichtum, diese Deutlichkeit. Ich knie nieder vor dieser
Sprache." (Xavier Naidoo, Popsänger, über
die deutsche Sprache. Quelle: NRZ 23.12.2009)
„An
Stelle
von identitätsstiftenden Musikprogrammen wird der
Hörer im eigenen Land
wachsender Sprachentfremdung ausgesetzt, indem er mit
angloamerikanischem Allerwelts-
Pop überfüttert wird.
... Egal, wo man
in unserem Land das Radio anschaltet, es entsteht
der Eindruck nicht
dort zu sein, wo unsere Sprache zuhause ist.“ (Achim
Reichel, Rock-Idol
und Volkslied-Sänger)
Quelle: Verein deutsche
Sprache |
Einige
Beispiele zum Zustand der Sprache
- <HollinG>; Jo,
ich hab da ganz default
reingeburstet, und als er dann weggestraft ist,
slide ich so um
die corner, voll in die flash, und wurde dann derbe weggebasht, von
dem
base-idler,
- der
da ge0wnt hat, und ich
dann ganz g0sureingestylt.
Nach dem nächsten spawn hab ich dann nur geheaddered beim
rushen. Dann kam da son Vollb00n und
hat mich gevotet.
- Ich so
nächste Runde Speedhack an und den voll weggeknift in die
Legs.
Hab voll ger()l3rd. Dann habn die die
Anti-Cheatprotection angeswitcht
und mich
gewatcht, für die anderen war
- das ownage, aber ich fand's
carebear.
Übersetzung
Leseprobe
aus dem Alltag
(von Johannes
Michalowsky):
"Eben bekomme ich
von Customer Care der Deutschen
Telekom AG die
Message, daß ich jetzt meine Rechnung Online bekomme. Ich
kann
sie
dann
downloaden und auf meine Hard Disc storen. Nachdem ich sie auf
meinem
Laser-Jet geprintet habe, kann ich sie dann dort wieder deleten, damit
sie mir
nicht zuviel Space wegnimmt. Für künftigen
Access
habe
ich mir sicherheitshalber die URL der Web Site gebookmarkt.
Bei
Unklarheiten
darf ich die Hotline contacten."
(Wie gut, dass sich die englischen
Verben so herrlich
deutsch konjugieren lassen!)
Leseprobe
aus dem Arbeitsleben:
"Heute morgen hatten wir
das
Kick-Off-Meeting zum neuen Workshop
zum Thema "Baselinening und Benchmarking". Dabei haben wir
festgestellt, dass einige Skills
nicht in unserer Portfolio passen. Außerdem
müssen
wir unser Customer Relationship Management verbessern, denn unsere
Message
kommt nicht so recht rüber."
Nicht
verstanden??? Dann aber doch sicher das Telefonat aus
Australien für die Werbeagentur....
***************************************************************
Ist
die deutsche
Sprache noch zu retten?
"Jeder Vogel hält
sein Nest für
schön..." (italienisches Sprichwort).
Die Franzosen sind
allgemein
der Ansicht, dass nur die französische Sprache es wert sei,
sich
mit ihr zu beschäftigen.
Selbst hoch gebildete Italiener
glauben
ernsthaft, dass sich für das Singen ausschließlich
die
italienische Sprache eignet.
Die Engländer denken gar nicht
darüber nach, weil man ihnen ohnehin in der ganzen Welt in
ihrer
Sprache entgegen kommt.
Die
Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das seine Sprache nicht
schätzt, nicht pflegt, nicht verteidigt.
Die
Deutschen sind das einzige Volk der Welt, in dem öffentlich
von einem Regierungschef (Baden-Württembergs ehemaligem Ministerpräsidenten Oettinger)
gefordert wird, die eigene
Sprache
durch eine andere, nämlich
Englisch, zu ersetzen. (Aber offenbar hat dieser Herr Oettinger nach
seinem peinlichen Auftritt als englisch
schwä-
belnder EU-Kommissar noch einmal darüber
nachgedacht, was er da ziemlich unüberlegt von sich gegeben hat:
Nicht nur, dass er inzwischen recht ordentlich Englisch gelernt hat,
er verteidigt inzwischen in der EU-Kommission auch durchaus die deutsche Sprache.)
Die
Deutschen sind das einzige Volk der Welt, in dem ernsthaft
behauptet werden kann, eine lebende Sprache, nämlich ihre
eigene,
sei weniger modern als eine andere.
Jeder
Vogel hält sein Nest für schön - nur die
Deutschen
scheißen hinein.
Freilich,
selbst hierzulande gibt es Menschen, die versuchen, das
Dahinsiechen der Muttersprache aufzuhalten und z.B. aussterbende
Wörter zu konservieren.
"Wörter
im Visier"
heißt eine Internetseite, auf der solche
Aktivitäten vorgestellt werden, z.B. das Wortmuseum.
Das
ändert aber nichts daran, dass die deutsche Sprache nach wie
vor in einer Verteidigungssitation ist, dass es Menschen in Deutschland
gibt, nicht nur den Herrn Oettinger,
die ernsthaft verkünden, unsere Sprache sollte zugunsten
des Englischen ganz
abgeschafft werden.
Jutta Limbach, von 1994 bis 2002 als Präsidentin des
Bundesverfassungsgerichts Deutschlands oberste Richterin und bis 2008
auch Präsidentin der Goethe-Gesellschaft,
sieht das allerdings
ganz anders: "Wir müssen unsere Sprache pflegen!", lautet ihr
Appell in einem Gespräch
mit DerWesten.de
|
Die
Gefahr liege dabei nicht
in vereinzelten Anglizismen, sagt Professor
Christian Meier, Präsident der Deutschen Akademie für
Sprache
und Dichtung in Darmstadt, sondern
in
der
Auswanderung der Eliten
aus der deutschen Sprache. "In der Wirtschaft
und in der
Wissenschaft
spricht man heute meist "BSE":
bad simple english.
In den Vorstandsetagen der Deutschen Bank oder bei Daimler-Chrysler
wird nur noch Englisch geredet.
Man denkt aber in seiner Muttersprache, und das bedeutet, dass bei
einem Wechsel in eine Fremdsprache die hochinnovatorische
Potenz des
Denkens beeinträchtigt wird.“
Dies
beschreibt
zum Beispiel der Berliner Romanist Jürgen Trabant:
„Ich
bin dann einfach nicht so gut. Mir fehlt mein
Instrumentarium.“
Wer
Englisch nicht gut beherrsche, benutze einfache Wendungen. Dadurch
simplifizieren sich auch seine Sätze, so dass er
„allzu schlicht,
wenn
nicht gar blamabel inkompetent“ wirkt. (Der
Spiegel Nr. 40 vom 2. Oktober 2006, S. 182-198; S. 194f.)
"Sprache ist
nicht nur ein Mittel zum
Austausch
von Informationen, sondern das wichtigste Beziehungsmittel zu der uns
umgebenden Welt.
Sprechen, Denken und Wahrnehmung stehen in einem sehr
engen Verhältnis. Zu
viele
Fremdwörter machen den Menschen
ihre eigene
Sprache fremd; sie fühlen sich in ihr nicht mehr heimisch und
deshalb
unbehaglich. Das darf man nicht gering schätzen,
sondern
muss
es
ernst
nehmen. Kulturelle
Identität
gehört zu den wichtigsten
Grundbedürfnissen menschlichen Lebens. So sollten
auch
einige
große und
alt eingesessene Firmen aufpassen, dass sie sich nicht bei dem Versuch,
durch englischsprachige Ausdrücke [...] sich ein modernes
Image zu
verschaffen, ihrer
alten Kundschaft entfremden." (Prof. Dr.
Jörg
Hennig, Universität Hamburg)
"Denglisch
bzw. «Neudeutsch» ist eine Art geistiges AIDS, von
dem bereits die meisten
Deutschen
betroffen sind und - was noch schlimmer ist - an dieser Unart und
Unkultur
ihren Gefallen finden. Beinahe kein deutscher Vortrag bei
internationalen
Tagungen ist heute ohne geballten Gebrauch von englischen Vokabeln und
Floskeln
denkbar. Für die Zuhörer und erst recht
für die
Dolmetscher und
Übersetzer stellt diese schockierende Beflissenheit um die
bedenkliche
Spracherneuerung eine
zusätzliche Herausforderung dar.
Die
Preisgabe der
Nationalsprachen wäre aus meiner Sicht unzumutbar teurer Preis
für die
Globalisierung der Wirtschaft und
leichtere Kommunikation auf dem
internationalen
Parkett."
|
Die
Gefahr, dass Deutsch als Wissenschaftssprache verkümmert,
erkennen
in der letzten Zeit aber mehr und mehr Wissenschaftler und Politiker.
Eine Anhörung im Bundestag
(früher nannte man so
etwas ein
"Hearing"...) und Nachrichten über den ständig
sinkenden
Anteil deutschsprachiger Fachpublikationen in der ganzen Welt haben
eine breite
Debatte in Gang gesetzt, die vorläufig in einer
gemeinsamen sprachpolitischen Erklärung einer Reihe von
Wissenschaftsorganisationen mündete. Fazit. Deutsch und
Englisch
sollten nicht als Konkurrenz, sondern komplementär verstanden
werden. >>>
mehr
|
Aktuelles
„Wir
schlüpfen morgens easy in unseren Slip, T-Shirt oder unseren Body, breakfasten bei Mc Donald`s, lunchen im nächsten Fast-Food, holen unser Bier im Sixpack und zu unserer
Verschönerung eine Moisture-Cream im Body-Shop, gehen zum Hair-Stylist, informieren uns am
Service-Point,
fahren
mit unseren Kids
im
Inter-City,
für
den wir das Ticket
am
Service Point
oder
Counter
erworben
haben, zum Fußballspiel
und sehen unser Team
in den Away-Shirts,
sitzen am
Computer,
am Scanner oder am Laptop, betätigen uns als
Online-Sufer,
bezahlen
für unsere CityCalls
... und
die Jüngeren finden das meist cool und die Älteren
meist nicht o.k.!“
©
nach:
Kurzmann, Gerhard; Sprachkultur
oder Sprachverfall?; 2000
**************************************
Und
wie
wär's mit folgendem sprachlichen Meisterwerk?
"Wenn
die
Top-Shops ihre
Eröffnung als
Event in
Auftrag geben, dann
organisieren wir die
good-looking
crowd ... Die
Leute wollen doch coverage und
eine gewisse awareness, denn
das bringt 'ne
Menge
mileage."
*************************
Aber vielleicht
sprechen wir ja bald alle so:
Amerikanismen
und das falsche Menü
Früher haben
wir »Nägel mit
Köpfen« gemacht. Ganz
Neues war »nagelneu«. Heute »brennt es
uns unter den
Nägeln«. Also
heißt Neues »brandneu«. Denn
»brand«,
sprich »bränd«, ist im
Amerikanischen das Zeichen, das Rindviechern eingebrannt wird, und
bedeutet einfach »die Marke«. Im Deutschen ist
»brandneu« eine
wörtliche Übertragung - wie
»Menü« für
die Auswahl am Bildschirm, denn
bei uns ist ein Menü gerade keine Auswahl, sondern
eine feste
Speisefolge. Wenn das so weitergeht, so werden unsere Texte bald so
aussehen (Zitat von Sammons im Sprachdienst
Heft
3-4 p 76):
»Ich tue nicht unterstehen die Aufregung
über die
Anglizismen,
Lehnübersetzungen und englische Vokabularbereicherungen in der
deutschen Sprache. Die wachsende Approximation des Deutschen zu dem
Englischen verwischt nationale Barrieren und führt zu dem
internationalen Unterständigung gewünscht von allen
progressiven
Geistern. Vielleicht ein deutsch-englisches Esperanto entsteht, das im
Lauf der Zeit wird regeln die ganze zivilisierte Welt. Das ist wohl
heute eine utopische Projektion, weil zu diesem Ende muß der
Prozeß
gehen viel weiter, nämlich hinein in die Struktur der Sprache.
In
dieser Hinsicht die deutsche Sprache ist altmodet und geblieben
zurück,
und müßte werden angeglichen an die englische viel
mehr.«
»Das ist lustig, ist es
nicht?« fügt
Dieter E. Zimmer
dazu. So weit würden wir nicht gehen.
Fritz@Joern.De
- www.Joern.De -
©Fritz Jörn
MIM
|
Das
nebenstehende sprachliche
Kunstwerk
ist ein deutscher Satz.
Abgesehen
von Funktionswörtern
(Artikel, Präpositionen, Pronomen etc.) -
enthält er etwa 12 deutsche Wörter.
28
Ausdrücke sind englisch...
Dieser Satz
ist ein deutscher Satz...
Das
Nebenstehende ist ebenfalls
deutsch - nicht erfunden, sondern
von einer Werbeagentur ausgekotzt.
Gar
nicht mehr so leicht zu verstehen, oder? Der Text reicht schon fast an
die sprachlichen Glanzleistungen der unsäglichen Jil Sander heran...
Weitere
schöne Beispiele in dem Aufsatz der amerikanischen Germanistin
Gerlinde Ulm-Sanford: "Amerikanismen
in der
deutschen Sprache der Gegenwart"
Bei manchen pupt's
wohl...

gefunden bei
http://home.debitel.net/user/
thomgeist/seite3.htm
|

|
Die deutsche Sprache war immer sehr flexibel, hat über
Jahrhunderte immer wieder Begriffe aus anderen Sprachen aufgenommen und
integriert -
Friedrich II. von Preußen befand sogar, Deutsch sei eine
Sprache
für
Pferdeknechte, weshalb er sich bevorzugt auf Französisch
unterhielt,
und meine Oma kaufte für die Eisenbahn ein Retour-Billet,
wartete
auf Perron 2 auf den Zug, saß dann im
Nichtraucher-Coupé und wartete auf den Konduktör.
Und
wenn
sie
schlafen ging, deckte sie sich mit einem Plümo (=
Plumeau) zu,
worüber jeder Franzose sich arg verwundert hätte,
weil das
französische Wort plumeau keineswegs
"Federbett"
bedeutet, sondern "Federbusch", etwas, was Soldaten zwar durchaus stolz
auf ihrem
Helm trugen, was im Bett aber
doch nur unzureichend wärmte...
Warum also über's Handy aufregen, auch wenn es das im
Englischen nur in der Bedeutung "handlich"gibt?
Alles
schon mal
da gewesen!
Alles
schon mal
da gewesen?
Ja
und nein.
|
Dazu ein Zitat:
"Wäre es nicht an der Zeit, das Français réfugié (=
Flüchtlingsfranzösisch - von den nach Aufhebung des Edikts
von Nantes aus Franreich geflüchteten Protestanten) oder
Gouvernantenfranzösisch gegen unsere recihere, reinere, ehrlichere
und kräftigere Frau Muttersprache auszutauschen? (...) Werden wir
nie Deutsche werden, nie aufhören, die Affen des Auslandes zu sein
und sprechen, wie uns der Schnabel gewachsen ist?"
(Karl Julius Weber, Demokritos. Die Berufsstände. Leipzig: Handel Verlag, 1927, S. 12
Dieser
Ausbruch des "lachenden Philosophen" widerlegt die These, dass die
Deutschen sich erst seit dem Zusammenbruch der Nazi-Herrschaft ihrer
Sprache schämen: Weber, der Latein, Englisch, Französisch und
Spanisch beherrschte und dessen Hauptwerk "Demokritos" vom Berliner
Eulenspiegel-Verlag 1984 neu herausgegeben wurde,
ist 1840 gestorben... Anscheinend gehört es zum deutschen Nationalcharakter, der "Affe des Auslandes" zu sein...
Aber Webers und anderer Sprachpfleger Appell blieb nicht wirkungslos: Die überflüssigen
französischen Bezeichnungen sind nämlich
eingedeutscht
worden, und das
ging
ganz sicher nicht von selbst. Dass
nämlich Sprache 'ein lebendiger Organismus' sei, der über
genügend
Selbstheilungskräfte
verfüge, ist ein frommer Irrglaube: Um Sprache zu
verändern,
muss
man gesellschaftliche Macht oder Ansehen haben. (Der alte Mann in
Peter
Bichsels "Ein Tisch ist
ein Tisch",
der seine eigene Sprache erschaffen
wollte,
musste feststellen, dass er am Schluss völlig isoliert war -
er
hatte keine gesellschaftliche Macht und auch kein genügend großes Ansehen,
um seine
Änderungen
durchzusetzen.) Die Abkehr von den überbordenden
Gallizismen
geschah
vor allem durch die aktive Aufklärungsarbeit von
Schriftstellern;
heute
ist die Rückfahrkarte so selbstverständlich geworden
wie der
Schaffner - der ist nur durch den "Zugbegleiter" ersetzt worden, wobei
abzuwarten
ist,
wann daraus der Train Guide oder Service
Manager wird,
denn
die "Deutsche" Bahn, bei der es keine "Auskunft" mehr gibt, sondern nur
noch
"ServicePoints", fürchtete eine Zeit lang die deutsche
Sprache noch
mehr
als Jil Sander...
(Aber selbst bei der Bahn fängt man an umzudenken, seit Mehdorn sich vom Acker gemacht hat: Die Service
Points werden nach und nach wieder durch Bahn-Information
ersetzt. Sicher, auch Information ist
ein Fremdwort und man könnte auch leicht Auskunft
sagen, aber im Gegensatz zu vielen Anglizismen
ist Information ein
internationales Wort, kommt aus dem Lateinischen, ist also gemeinsamer
europäischer Kulturbesitz und nicht ein Kniefall vor der der
angelsächsischen Hegemonie.)
Heute ist die Situation ganz anders: Die
sklavische
Übernahme
nicht nur von Fachausdrücken, sondern von ganzen
Alltags-Sätzen aus
dem Anglo-Amerikanischen
ist nicht mehr Ausdruck von
(tatsächlicher oder auch nur eingebildeter) Bildung, sondern
zum einen Symptom eines Totalverlusts an
Selbstwertgefühl geworden.
Aus lauter Angst, als provinziell,
altmodisch oder gar nationalistisch angesehen zu werden, verzichtet man
mehr und mehr auf die eigene Sprache und ersetzt sie
durch ein
"pseudokosmopolitisches Imponiergefasel", wie es
Walter Krämer, der Vorsitzende des Vereins deutsche Sprache,
wirksam
und inzwischen oft zitiert
formuliert hat.
Zum anderen gibt es einen psychologischen
Aspekt -
darauf hat Kammersängerin Edda Moser, die im Oktober 2006 im
thüringischen Rudolstadt ein "Festspiel für
die
deutsche
Sprache" veranstaltete (unterstützt von dem Lyriker Reiner
Kunze
und den Schauspielern Mario Adorf, Jutta Hofmann und Otto Schenk)
hingewiesen:
Die vielen Anglizismen gehen ihrer Meinung nach "auf eine
tief sitzende Angst vor echten
Gefühlsäußerungen
zurück. Die Leute meinen zwar
«Verzeihung», sagen aber
«sorry». Das ist viel oberflächlicher. Aus
Scheu vor
Tiefe werden Gefühle versteckt...."
Auf dieses Phänomen - die Flucht
in eine Fremdsprache aus Scheu
vor der Präzision und Klarheit der eigenen
- hat
übrigens schon Thomas Mann im
"Zauberberg" hingewiesen, wo er
seinen Helden Hans Castorp im Gespräch mit der geliebten
Clawdia
Chauchat sagen lässt: "Moi,
tu
le remarques bien, je ne parle
guère le français. Pourtant, avec toi, je
préfère cette langue à la mienne, car
pour moi,
parler français, c'est parler sans parler, en quelque
manière, - sans
responsabilité, ou comme nous
parlons en
rêve..." [Du
hast sicher festgestellt, dass ich
kaum
Französisch spreche. Und doch - mit dir spreche ich
lieber
deine
Sprache als
meine, denn für
mich heißt Französisch sprechen irgendwie sprechen
ohne zu
sprechen -
ohne Verantwortung, oder wie wir im Traum
reden...]
Nun
bedroht die Flut von
Anglizismen und englischen Versatzstücken allein die
deutsche Sprache noch nicht in ihrem Kern. Ganz entscheidend
kommt es aber auf
die Kraft der Sprache an, sich Fremdes einzuverleiben
und zu verdauen. Damit ist gemeint, dass das neu Erworbene nach den
Regeln der deutschen Grammatik
behandelt wird, damit der
natürliche Fluss der Sprache erhalten bleibt.
Eine
Werbebotschaft wie "Psycho-
Shop -
der
Laden, in dem nur Verrückte arbeiten - is a division of Trendstyle
GmbH &Co" aber verlangt dem Leser ein
ständiges
Springen zwischen den sprachlichen Systemen in seinem Kopf ab. Wozu das
führt, zeigt besonders deutlich die Mischsprache
vieler
Migranten,
die zwar scheinbar
mühelos innerhalb eines Satzes vom einen
Sprachsystem zum anderen hüpfen, aber in keinem der beiden
Systeme
mehr zu Hause sind: Es schwindet die
sprachliche Sicherheit. Die deutsche Sprache ist nach Meinung einiger
Linguisten bereits schwer geschädigt. "Die zur Assimilation
unfähige Sprache ist eine tote Sprache", urteilt
Horst Hensel,
2.
Vorsitzender des Vereins
deutsche Sprache -
und steht damit im krassen Widerspruch zu den Leuten, die in dem
Überhandnehmen "flippiger" englischer Modewörter ein
Zeichen
von Lebendigkeit erkennen wollen.
Wer im 18. Jahrhundert
etwa
französische Brocken in die deutsche Rede einfließen
ließ, wollte zweifellos angeben, gehörte aber
immerhin zu
einer gebildeten
Oberschicht:
Französisch war die Sprache der Intellektuellen, der
Diplomaten,
des Adels - in diesen begrenzten Gesellschaftsbereichen war
sie
vielleicht am
Platz, verschwand aber allmählich im Zuge der Demokratisierung
der
Gesellschaft.
Wer heute seine Rede mit englischen
Wörtern,
Redewendungen, Sätzen durchsetzt, mag seine Gründe
dafür haben: im
weltweiten Netz haben sich englische
Fachbegriffe weitgehend durchgesetzt - das liegt allerdings an der
wirtschaftlichen Hegemonie der USA einerseits und dem fehlenden
Selbstbewusstsein der meisten deutschen Informatiker andererseits,
nicht an der Sache selbst: Es stimmt nämlich nicht, dass die
Wörter mit der Sache gekommen seien: Der Computer ist - viele
haben's wohl vergessen - eine Erfindung des Deutschen Konrad Zuse, der
das Ding auch sachgerecht Rechner
genannt hatte, und die Amerikaner haben den Begriff latinisierend (computare =
zählen, rechnen;
vgl. französisch compter)
in ihre Sprache übertragen. Die Franzosen, dem
großen
transatlantischen Bruder gegenüber
ohnehin immer nur in
skeptischer Zuneigung verbunden, haben den Computer nicht
übernommen: Sie haben einen Ordner daraus gemacht, einen ordinateur, und
sie
haben ganz
selbstverständlich das "download" durch
"télécharger" ersetzt - elegant, voll in das
französische Sprachsystem passend und zielgenau.
Klar, es gibt englische Ausdrücke,
die
selbstverständlich
geworden sind: Für das "Baby" etwa haben wir keinen
angemessenen
deutschen Ersatz: Weder Kleinkind
noch Säugling
vermögen die
emotionale Wärme auszudrücken, die im "Baby" steckt
(das kann
höchstens das tirolerische "Poppele"), und auch Jeans, Manager
u.a.
stören keinen mehr:
Sprache hat sich immer so entwickelt, und die deutsche Sprache hatte
immer
eine besondere Fähigkeit, Begriffe aus anderen Sprachen zu
assimilieren.
Kein Mensch käme auf die Idee, statt "Baguette"
etwa "Weißbrotstange"
zu sagen oder statt "Konto" vielleicht "Geldverwahrstelle"
- und des großen
Beethovens Versuche, das "Pianoforte"
durch
"Lautleise" und die "Jalousie"
durch "Fensterherabfalldunkelmachsonnabwehrleinwandslappen"
zu ersetzen, sind aus verständlichen Gründen
gescheitert...
Neben einer
Übernahme von
Fachbegriffen, wie sie z.B. auch die Wirtschafts-Diskussion beherrschen
(ein Begriff wie
Out-Sourcing z.B.
scheint sich zwar dem phonetischen Bestand des Deutschen nicht ohne
Weiteres anzupassen, ist aber von einer Prägnanz, die deutsche
Äquivalente, wenn es sie denn gäbe,
schwerfällig
erscheinen ließe), finden sich heute aber durchaus
fragwürdige Motivationen. Wie oberflächlich z.B. die
Behauptung ist, Englisch sei knapper, präziser, zupackender
als
Deutsch, orientiert sich offenbar nur an einigen
oberflächlichen
Beobachtungen und verkennt z.B. den gewaltigen
Präzisionsvorsprung, den Deutsch durch seine
Vorsilben hat.
(Vgl.
dazu den Aufsatz von
Götz Fischer,
"Englisch sei besser als Deutsch".)
Wenn etwa ein
deutsches Unternehmen in Essen deutsche Arbeitskräfte anwirbt
mit
dem Werbespruch "We are looking for ...
Schweißer"
(das letzte Wort würde
ich gerne ohne
"w" zurückgeben...),
wenn der Sulzenbacher-Wirt im bayrischen
Böhmzwiesel
an die Tür seiner Gaststätte das Schild "Yes, we are
open"
hängt, um das Weltniveau seines Etablissements
zu betonen,
wenn das deutsche "Klassik-Radio"
von "Musik zum Entspannen und Genießen"
auf "First
Class Music" umstellte, *
wenn ein Schulbuchverlag wie Klett, der sich
eigentlich um
die Pflege der deutschen Sprache bemühen müsste, in
einem
Rundschreiben für Deutsch (!!!) -Lehrer
vom "Event Goethe" schwadroniert,
wenn ein deutscher Bezahlsender (nein,
"Pay TV") mit
dem Satz wirbt: "Your personal TV", obwohl alle
Abonnenten
Deutsche sind, [nach
der
Kirch-Pleite und der Übernahme des
Senders durch
den ehemaligen RTL-Macher Kofler heißt Premiere World aber
nun wieder ganz einfach Premiere, und der
saublöde englische
Werbespruch ist still und leise
verschwunden - danke,
Herr Kofler!]
wenn ein anderer
deutscher Sender mit dem Spruch "Powered
by emotions" wirbt (wer
von den Kunden dieses Senders versteht den Spruch wohl???) [Keiner
anscheinend - und so
ist der
saublöde Werbespruch auf einmal - diesmal natürlich
nicht
angekündigt - verschwunden: SAT 1 wirbt
wieder auf Deutsch!]
wenn eine großes
Parfumerie-Kette ihre Kunden
mit den Worten einlädt "Come
in
and find out", obwohl mehr als die Hälfte der
Kunden diesen
Spruch nicht versteht
wenn ein Verlag wie Cornelsen, der
brillante
Deutschbücher veröffentlicht, auf seiner Seite
für die "Kids"
(das sind übrigens kleine Ziegen, abgeleitet von dem
deutschen
Wort "Kitz" - wie Rehkitz z.B.) ein "Log In für Member"
anbietet...
... dann entspringt das keiner
linguistischen
Notwendigkeit, keinem kommunikativen Bedürfnis, sondern
zumeist
einer Unklarheit im Denken, sprachlicher Trägheit und
vor allem jener Amerika-Hörigkeit, die nach dem Zweiten
Weltkrieg
in Deutschland mehr als in allen anderen (auch betroffenen)
Ländern um sich gegriffen und den Lebensstil einer ganzen
Generation geprägt hat. Der "American Way of Life", den schon
Max
Frisch im Homo Faber
kritisch
auf seine Berechtigung befragte, ist immer noch fast ungebrochenes
Vorbild, und die anglo- amerikanischen Versatzstücke werden
selbst
von denen als Ausdruck globalen Zeitgeists gefeiert, die zwischen zwei Events (z.B. der
Frühjahrskirmes und der Disco im Pfarrsaal) sich daran
erinnern,
dass der Überfall auf
andere Länder
mit
anschließender Folterung
und
Demütigung der Gefangenen
als globales Verhaltensmuster vielleicht doch nicht so
wünschenswert sein könnte. Dieser Gedanke lag auch
der Aktion
"Sprachdemo" zugrunde, die vom Institut für
Germanistik der
Universität Magdeburg ausging: Prof. Dr.
Dr. h.c. Armin
Burkhardt rief "die Medien und die
Politik zu einem friedlichen sprachlichen Protest" gegen die
amerikanische Politik auf:
Wer
unrechtmäßige, z.T. sogar unmoralische Politik
betreibt,
kann jedoch kein Vorbild sein. Die Arbeitsgemeinschaft
”Sprache
in der
Politik” ruft daher alle Deutschsprachigen dazu auf, anstelle
der
englischen wieder vermehrt französische Lehnwörter zu
verwenden, also etwa statt ”Abstract” wieder
”Resümee”, statt
”Model” wieder ”Mannequin”,
statt
”Ticket” wieder ”Billet”,
statt
”Box”
wieder vermehrt ”Karton”, vielleicht sogar
demonstrativ
statt
”Computer” ”Ordinateur” zu
sagen und den
Abschiedsgruß
”Adieu”/”Ade” auch in den
Gegenden wieder zu
pflegen,
wo er sonst nicht
gebräuchlich ist.
___________________________
* Der
Ordnung halber muss gesagt werden, dass Klassik-Radio inzwischen wieder
Deutsch spricht
Nun
könnte man diese Tendenz
für eine vorüber gehende Mode oder eine
wünschenswerte
Internationalisierung der Deutschen halten und mit einem "So what?" darüber hinweggehen
- wenn die Konsequenzen nicht möglicherweise sehr ernst
wären: Wir
sind in
Deutschland aus lauter Angst vor unserer unseligen Geschichte auf
dem besten Wege,
unsere
Sprache und damit unsere Identität preiszugeben.
Das ist die eine Angst,
die uns unsere eigene Sprache vergessen lässt, und diese Angst
ist sehr deutsch.
Die andere ist international: Die Angst, den globalen
Weltwirtschaftszug zu verpassen und abgehängt zu werden, wenn
man
sich nicht dem angelsächsischen Sprachimperialismus beugt (der
im
Übrigen nur deshalb funktioniert, weil so viele so
bereitwillig
mitmachen.
Nicht alle Völker lassen sich das so gefallen wie die
Deutschen,
die zum großen Teil noch stolz auf ihren
Identitätsverlust
sind, weil sie meinen, auf diese Weise die Rolle
des bösen Nazis im Weltgewissen loszuwerden (was
regelmäßig in die Hose geht...). In
Rumänien zum
Bespiel hat eine Musikgruppe großen Erfolg, die sich gegen
die
Amerikanisierung des Landes wehrt:
Wir
selbst sind für die Entwicklung unserer Muttersprache
verantwortlich
und sollten alles tun, um das Besondere unserer Sprache zu erhalten. Nicht aus nationalistischen
Überlegungen, auch nicht aus kommunikativen Gründen,
sondern
weil es notwendig ist, das Eigengepräge der Einzelsprachen zu
erhalten. Sprache,
Denken und
Wahrnehmung der Wirklichkeit stehen in einem engen Zusammenhang, die
einzelnen
Sprachen teilen die Dinge der Welt unterschiedlich ein
und beeinflussen
damit
Denken und Wahrnehmung in ganz unterschiedlicher Weise. Verschiedene
Sprachen
ermöglichen verschiedene Zugänge zur Welt,
sie bieten
verschiedene
Perspektiven, verschiedene 'Brillen' an, und diese Vielfalt darf nicht
verloren
gehen.
Die
meisten Völker sind stolz
auf ihre
Sprache und pflegen sie. Die "linguistic
submissiveness" (sprachliche
Unterwerfung der
Deutschen - so
spottete die Londoner
Times) ist dagegen
würdelos,
peinlich, lächerlich, die zunehmende Ersetzung unserer
Muttersprache durch ein aufgeblasenes "Denglisch"
ruft bei
ausländischen
Gästen keineswegs Bewunderung, sondern
Kopfschütteln hervor. "Bin ich hier in Chicago oder wo?"
fragte -
wie Walter Krämer
berichtet -
verstört ein polnischer Geisteswissenschaftler nach seiner
Ankunft
auf dem Düsseldorfer "Airport", und ebenso verstört
zeigte
sich ein norwegischer Museumsmann,
der
irrtümlich glaubte,
in Hamburg werde Deutsch gesprochen...
"Traue nur dem, der sich selbst
vertraut", heißt es in
einem alten Sprichwort unter Reisenden - wer soll den Deutschen noch
trauen?
Alle
sollten sich kritisch mit diesen
Tendenzen der
deutschen
Sprache auseinandersetzen - durch
Gespräche im Bekannten- und Kollegenkreis, durch bewussteren,
sinnvollen
Umgang mit
Anglizismen und
durch
Protestschreiben an die Sprachhunzer. Argumente gibt
es
genug...
Einige
Beispiele
lege ich hier vor
- das allgemeine
Bewusstsein, dass es so nicht weiter gehen darf, ist durchaus
gewachsen: Das am
6.2.2001 gegründete
"Berliner
Sprachbündnis" ist
neben dem VdS ein weiteres Zeichen der Hoffnung...
Alt-Bundespräsident
Johannes Rau
hat in einer Rede am 23.11.2000 in Mainz übrigens vielen Politikern aus dem Herzen gesprochen,
als
er u.a. sagte:
"Der
inflationäre
Gebrauch von Amerikanismen in der Werbung und in den Medien, aber auch
in
den
Veröffentlichungen
vieler Unternehmen und Behörden, soll Fortschrittlichkeit und
Modernität signalisieren.
Tatsächlich aber ist er oft ein Hinweis auf die Verarmung der
Ausdrucksfähigkeit in der eigenen Sprache.
Tatsächlich grenzt er all diejenigen aus, die Englisch und
Amerikanisch nicht verstehen: viele Ältere,
viele
Jugendliche, die nicht die entsprechende Schulbildung haben, viele
Menschen aus den neuen
Ländern
und, das sollten wir auch nicht vergessen, viele der in unserem Lande
lebenden Ausländer."
Zitiert nach: Sprach-Nachrichten, Verein Deutsche Sprache e.V.
, Nr. 4/2000, S. 1
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